Ballack und Bilanzsteuerrecht – Die Taktik fürs 3. Semester

Autor:in
Michael Moser

Ich bin Michael 25 Jahre alt und dieser Blogbeitrag gibt Einblicke in meine Gedanken, Entscheidungen und Erfahrungen während meines Masterstudiengangs und auf dem Weg zu meinem angestrebten Ziel, dem Steuerberater. In meinem ersten Beitrag teile ich mit Ihnen meine ersten Eindrücke vom Master in München. Hier sind alle meine bisherigen Artikel: 

Master of Taxation in München

Von München nach “Sun Diego"

Michael Ballack sagte einst…

„Das ist Fußball. Da kannst du nichts machen.“ Manchmal fühlt sich das im Steuerrecht genauso an. Neue Gesetze, komplexe Klausuren, unerwartete Prüfungsfragen – und am Ende bleibt nur eins: durchkämpfen. Dieses Motto sollte vor allem für das 3. Semester gelten.

Dabei ging es in Bilanzsteuerrecht weiter wie gewohnt, nur mit noch mehr neuen Inhalten und etwas höherer Schlagzahl. Es bleibt für mich insgesamt das Fach, vor dem aktuell am meisten Ehrfurcht besteht. Dabei helfen nur wenig die Aussagen der Dozenten, dass Bilanzierung im Examen in den vergangenen Jahren nur wenig mit klassischer Bilanzierung zu tun hatte und mit allem Möglichen zu rechnen ist. Der Anspruch hier ist hoch und es gilt hier nach jeder Vorlesung – um der Fußballsprache treu zu bleiben – am Ball zu bleiben und die Übungsaufgaben ernsthaft nachzuarbeiten. Die größte Herausforderung dabei ist, dass man unglaublich viel lernt und sich irgendwann eigentlich recht gut fühlt – nur um dann festzustellen, dass man vieles doch nicht mehr genau abrufen kann, obwohl man genau weiß, man hat das Thema bereits gelernt. Bilanzsteuerrecht ist für mich dabei das Fach mit dem größten Niveau-Sprung im Vergleich zum Bachelorstudium.

Zur Abwechslung gab es dann eine Vorlesung, die ich schon in meinem Bachelor besonders gern verfolgt habe: Steuerstrafrecht. Den Storys der Dozenten zu Hoeneß, Schuhbeck und Co. könnte ich stundenlang zu hören, auch wenn Storytelling im Examen später leider kein Bestandteil sein wird. Insgesamt kann ich mich mit der Abgabenordnung aber immer mehr anfreunden. Früher habe ich mich damit eher schwergetan, aber zunehmend merke ich, dass sich hier einiges mit genügend Übung tut. Auch in der Umsatzsteuer geht es mit großen Schritten voran. Durch das immer wieder „herunterbeten“ des Prüfschemas und die positiv verrückten Fälle unseres Umsatzsteuer-Dozenten Rümelin entwickle ich auch hier allmählich eine unbekannte Freundschaft zur Materie.

Komplett neu hinzugekommen ist im 3. Semester das internationale Steuerrecht. Die Vorlesungen waren zwar sehr intensiv, aber aktuell stehe ich noch vor einem riesigen Puzzle, das es in der nächsten Zeit bis Mitte Oktober noch zu lösen gilt. Auch bei den Ertragsteuern gab es eine Lektion in Demut: Mit dem Gefühl, hier immer recht sicher gewesen zu sein, wurde ich spätestens mit den ersten Übungsaufgaben auf Steuerberaterniveau eines Besseren belehrt. Zwar war mir vieles bekannt, aber der Umfang der in den Lösungen verlangt wird und die Vielzahl der zu beachtenden Normen, an die man in erster Sekunde nicht denkt, holen einen schnell wieder ein.

Eins war das komplette Semester über aber klar: Am Ende stehen fünf sportliche Klausuren à 2 Stunden auf einem steuerberaterähnlichen Niveau – nur mit begrenztem Stoffumfang. Die Taktik lautet wie vor einigen Jahren im englischen Fußball „Kick and Rush“: wenig Zeit, viel Stoff und hoher Druck – nur geht das Spiel in den Klausuren keine 90 Minuten, sondern 120 Minuten. 

Masterarbeit meets Vorlesungen – Multitasking auf höchstem Niveau

Nur den Vorlesungen zu folgen und den Stoff nachzuarbeiten reichte im dritten Semester längst nicht aus. Es ging darum, das große Ganze im Blick zu behalten – und dazu gehörte auch das Schreiben der Masterarbeit, da später aufgrund der Vorbereitung auf das Examen kaum Zeit oder Nerven vorhanden sein werden, nebenher noch eine Thesis zu verfassen. Bereits gegen Ende des zweiten Semesters hatte ich mich mal mehr, mal weniger – aber eher weniger – mit einem möglichen Thema beschäftigt. Besonders interessant fand ich mit Blick in die Zukunft das Thema Verrechnungspreise. Doch nach intensiver Recherche und ersten kleinen Vorarbeiten kam ich noch vor Beginn des dritten Semesters zu dem Schluss, dass es aufgrund mangelnden Zugriffs auf relevante Datenbanken nicht geeignet war. Die Suche nach passender Literatur hätte viel zu viel Zeit in Anspruch genommen und vermutlich nicht zum optimalen Ergebnis geführt.

Da die Zeit in diesem Turbo-Master ohnehin knapp bemessen ist, war mein Ziel, die Masterarbeit so effizient und zügig wie möglich fertigzustellen. Als Stichtag setzte ich mir den 1. Dezember 2024. Kleiner Spoiler: Natürlich wurde ich bis dahin nicht fertig. Immerhin war ich bei der Themensuche recht schnell erfolgreich. Nach Rücksprache mit meinem Betreuer einigten wir uns auf eine steuerplanerische Untersuchung zu den Gestaltungspotenzialen von Familienvermögen – konkret zur Nutzung des Familienpools und der Familienstiftung in der vorweggenommenen Erbfolge von Immobilienvermögen.

Ernsthaft begonnen habe ich mit meiner Arbeit dann Mitte September, wobei der Start einer Thesis, zumindest aus meiner Sicht, sich immer als die größte Herausforderung erweist. Doch sobald man einmal tief in der Materie steckt, geht das Schreiben zunehmend leichter von der Hand. Um die uninteressanten Details auszublenden: 22 Seiten Berechnung in Form des Anhangs und 68 Seiten reiner Text später war ich dann zwischen Weihnachten und Silvester so weit, dass die Arbeit das erste Mal korrekturgelesen werden konnte.

Ein kleiner Wermutstropfen hatte das: Eigentlich wollte ich Anfang bis Mitte Dezember mit der Vorbereitung auf die Klausuren im Januar beginnen. Doch durch die Masterarbeit hat sich das um knapp drei Wochen verschoben – es hieß umso mehr „Kick and Rush“.

Zeitenwende

Selbstverständlich blickt ein Auge während allem was man bei der Arbeit und während dem Lernen macht auf das Examen im Oktober diesen Jahres. So natürlich auch während der Klausurenphase im neuen Jahr. Im 3. Semester wurden wir erstmalig mit der Möglichkeit konfrontiert, das Examen auf digitalem Wege mit einem Laptop zu bestreiten. Zwar findet der Master und die Vorbereitung für mich in München statt, aufgrund der Tatsache, dass sich mein Arbeitgeber aber in Baden-Württemberg befindet und ich das Examen deshalb nicht in Bayern schreiben werde, wird mir die Möglichkeit des digitalen Examens an der Tastatur eingeräumt.

Nach ersten Erfahrungswerten von Prüflingen aus Baden-Württemberg, die das Examen erstmalig nicht mit Blatt und Stift schreiben mussten, war für mich schnell klar, den Weg der digitalen Steuerberaterprüfung gehen zu wollen. Allein vor dem Hintergrund, dass ich beim Arbeiten und auch in den Vorlesungen jegliche Texte nahezu vollständig mit der Tastatur verfasse, ist diese Entscheidung wohl die Richtige. Selbst ohne das 10-Finger-System zu beherrschen, bin ich beim Schreiben um einiges schneller als klassisch mit dem Kugelschreiber – das kann jeder ganz einfach ausprobieren. Das Prüfungsprogramm ist zwar eine abgespeckte Version von Word, doch Copy & Paste ist dennoch möglich und dürfte einem in vielen Situationen zu Gute kommen – man denke nur an Bilanzsteuerrecht mit seinen immer wiederkehrenden Ansatz- und Bewertungsvorschriften.

Hier gilt es in Zukunft sich dann mit dem Programm, welches von der Steuerberaterkammer zur Verfügung gestellt wird, in der Vorbereitung vertraut zu machen und Tipps und Tricks für sich zu finden, die einem das Schreiben im Examen erleichtern. In der Prüfungsphase des 3. Semesters heißt es zunächst aber wieder back to the roots, da diese Klausuren hier ausschließlich analog geschrieben werden.

Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien

Zu Beginn des neuen Jahres stand bereits die Prüfungsphase vor der Tür. Um mich besser darauf vorzubereiten, habe ich meine Arbeitszeit im Januar von drei auf zwei Tage pro Woche reduziert. Doch die zusätzliche Lernzeit hatte ihren Preis: Neben Magenschmerzen vom vielen Pauken stapelten sich auch auf der Arbeit die Aufgaben. Woche für Woche sammelten sich immer mehr E-Mails und Zettel an, die darauf warteten, abgearbeitet zu werden. Unglaublich, wie sehr sich ein einziger Tag weniger im Büro bemerkbar macht. Meist diente der Montag nur, um Bescheide zu prüfen und dringende Mandantenanliegen zu klären – der Dienstag diente dann der Schadensbegrenzung. Größere Abschlüsse in dieser Zeit zu bearbeiten, machte nahezu keinen Sinn.

Abgesehen davon war der Januar mit seinen fünf Klausuren eher unspektakulär. Drei Worte reichen, um ihn zusammenzufassen: intensiv, lehrreich und monoton. Jede Woche lief nach demselben Muster ab: Montag und Dienstag bis 17 Uhr arbeiten, danach lernen. Mittwochs wurde den ganzen Tag gelernt, bevor ich donnerstags morgens nach München fuhr, um dort am Nachmittag oder teilweise sogar erst um 18 Uhr meine Klausur zu schreiben. Das Wochenende wurde selbstverständlich wieder dem Steuerrecht gewidmet, ehe es am Montag von vorne losging.

Am 30. Januar um 18 Uhr war es dann endlich geschafft – die letzte Klausur, die Abgabenordnung, lag hinter mir. Zur Belohnung ging es direkt nach Mailand, um einen Freund der dort studiert zu besuchen. Was bei dem Trip auf keinen Fall fehlen durfte, waren natürlich die Steuergesetze. Schon am nächsten Morgen um 8:30 Uhr sollte es mit der Vorbereitung auf das Examen erst so richtig losgehen. Für das Wochenende und die darauffolgende Woche standen die ersten sechsstündigen Probeklausuren samt Nachbesprechung an. Die Ergebnisse? Kann sich jeder wohl denken. Spätestens beim Blick in die Lösungen war klar: Vom Bestehen ist man noch weit entfernt. Aber das gehört nun mal dazu. Noch steht man erst am Anfang und die Grundlagen sind bislang grundsolide, sodass man dennoch optimistisch in die Zukunft blicken kann.

Und dieser Optimismus geht sogar so weit, dass ich mich in den nächsten Tagen für das Examen anmelden werde. Parallel startet die Planung für die kommenden Monate bis Oktober. Ob die Anmeldung geklappt hat und wie meine Vorbereitung im Detail aussieht, erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag.

Über den Autor

 

Michael Moser 

Master of Taxation Student an der Hochschule München in Kooperation mit Dr. BANNAS. Nach der Masterarbeit bereitet er sich noch auf das Steuerberater-Examen 2025/26 vor.